Baby-Ratgeber mit Leseproben

Karriereoptimierte Namenswahl mit Name Concept Maps

(Ausschnitt)

Seitdem klar ist, dass sie einen Jungen erwarten, widmet Dirk dem Thema Namenswahl jede freie Minute, denn er weiß: Der Erfolgsbeitrag einer passenden Namenswahl für den weiteren Werdegang des Nachwuchses kann kaum zu hoch eingeschätzt werden. Aus diversen Studien hat Dirk gelernt, dass einige Vornamen mit Vorurteilen belastet sind und sich sogar negativ auf die schulische Leistungsbewertung von Kindern auswirken können. So würden Grundschullehrer ihr Kind zwölfmal lieber Adolf (ein Name, der aus naheliegenden Gründen ausfällt) als Justin nennen. Mit Justin wäre der Weg zum Vorstandsvorsitzenden also schon ausgeschlossen, bevor die Karriere überhaupt begonnen hat! Auch mit Kevin scheint der Weg zu Hartz IV, „Frauentausch“ und „Raus aus den Schulden“ programmiert („Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose“). Dem Sprössling würde sogar ein Doktortitel verwehrt bleiben, und Dirks erste Entwürfe für die Laudatio während der Promotionsfeierlichkeiten wären obsolet! Dirk wäre natürlich ein großartiger Name, aber der notwendige Zusatz „Jr.“ ist selbst mit dem besten Willen nicht vertretbar, was Anne mit dem Kommentar „Vorher würde ich mir einen rostigen Nagel ins Knie rammen“ subtil auf den Punkt bringt. Dirks Recherchen hinsichtlich möglicher Variationen seines eigenen Vornamens auf www.chantalisator.de bringen wenig erbauliche Vorschläge wie Derek-Farrell, Derek-Guy oder Derek-Dylan hervor, die er aus nachvollziehbaren Gründen verwirft. Andere Vornamen hören sich so an, als ob man sie höchstens ironischerweise seinem Haustier geben würde. Anakin, Aragorn oder Elvis? Lustig, vorausgesetzt, es sind nicht die eigenen Kinder. Wieder andere Vornamen wie Daniel, Martin oder Simon bestechen durch ihre Durchschnittlichkeit und lassen nichts Außergewöhnliches für die persönliche Karriere erwarten.

„Welche gravierenden Konsequenzen eine suboptimale Namenswahl für den Sprössling haben kann“, denkt Dirk. Solch eine wegweisende Entscheidung darf also nicht aus hormonell verzerrten Präferenzen während der Schwangerschaft, sentimentalen Bezügen zu verstorbenen Verwandten oder gar der Stimmung im Kreißsaal erwachsen. Letzteres scheint besonders problematisch, wenn man bedenkt, dass das Wort Kreißsaal nicht von Kreis, sondern von dem mittelhochdeutschen Wort für kreischen kommt und Anne darum in dieser Räumlichkeit ganz andere Vornamen in Betracht ziehen wird.

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(© Springer Fachmedien Wiesbaden 2015)

Namensgebung Emil - Leseprobe
Make or Buy Emil - Leseprobe

Make-or-Buy Babybrei

(Ausschnitt)

Emil kostete schon viel Geld, lange bevor er das erste Mal schreiend in den Armen der Hebamme lag. Kaum zeigte das erste unscharfe Ultraschallbild einen Knubbel, der nur mit sehr viel Fantasie als Embryo identifiziert werden konnte, lagen bereits unzählige Hochglanzkataloge mit Kinderzimmereinrichtungen, Kinderwagen und Kindersitzen auf dem Küchentisch.

Jetzt, da Emil einige Wochen auf der Welt ist, gilt es dem hormongesteuerten Kaufrausch der Schwangerschaftsmonate mit einer sachlich orientierten Kostenanalyse entgegenzutreten. Hierzu ermittelt Dirk die Total Costs of Ownership von Emil, aufgeschlüsselt nach Transport-, Lager-, Marketing- und Handlingkosten, letztere differenziert nach Verbrauchsgütern (Handlingkosten I) und Gebrauchsgütern (Handlingkosten II). Seine Analyse bringt ein erschreckendes Bild zu Tage (siehe Abbildung). Alleine bis zu seinem ersten Geburtstag generiert Emil zu erwartende Gesamtkosten von 6.090,-€! Und da sind noch nicht mal die erheblichen Mehraufwendungen für die Befriedigung des durch Stillen und Schlafmangel bedingten erhöhten Kalorienbedarfs von Anne inkludiert.

Abbildung: Wasserfalldiagramm.png (klick)

Dieser Kostenexplosion gilt es frühzeitig und offensiv im Rahmen eines rigiden Konsolidierungsprogramms („Fit for Future“) entgegenzutreten. Allerdings muss Dirk schnell feststellen, dass die Einsparpotenziale sehr limitiert sind. Kosten für Transport und Lagerung sind bereits realisiert und auch die gebrauchsgutspezifischen Handlingkosten lassen in diesem Projektstadium kaum Freiheitsgrade zu. Einzig bei den verbrauchsgutspezifischen Handlingkosten bestehen Optionen. Einen großen Kostenblock stellen Windeln dar, die vor dem Hintergrund von Emils lebhafter Verdauung der ersten Wochen dem Terminus Fast-Moving Consumer Goods eine ganz neue Bedeutung gebe. Allerdings scheint hier der Übergang zu einer Eigenproduktion aufgrund der technischen Komplexität des Produkts wenig sinnvoll. Anders sieht es aber beim Babybrei aus dessen Verabreichung ab dem 5. Monat vorgesehen ist und ursprünglich eingekauft werden sollte. Wäre es aus Kostensicht doch besser, im Zuge einer In-Sourcing-Strategie eine Babybreieigenproduktion zu realisieren? Oder sollte es beim geplanten Babybreifremdbezug bleiben? Es handelt sich also um ein klassisches Make-or-Buy-Problem, das es zu lösen gilt.

(© Springer Fachmedien Wiesbaden 2015)

Wellness-Planung mit der deterministischen Simulation

(Ausschnitt)

Seitdem Emil auf der Welt ist, kann es Annes Terminplan in Sachen Komplexität problemlos mit dem der Bundeskanzlerin aufnehmen. Der kleine Unterschied ist nur, dass Anne keinen Stab von Sprechern, Assistenten, Fahrern, Experten etc. hat, der diese Komplexität für sie managen kann. Okay, Dirk fühlt sich manchmal wie der Stab, aber zu einer echten Entlastung trägt er, ehrlich gesagt, nur infinitesimal bei. Tätigkeiten wie Stillen, Wickeln, Kochen, Einkaufen, Baden, Babymassage, Babyschwimmen, PEKiP, Krabbelgruppe und Kinderarztbesuch wechseln einander in schneller Folge ab und müssen minutiös geplant werden. Zudem befindet sich Anne in ständiger Alarmbereitschaft (Tränen trocknen, Pipifützen trockenlegen, Spucke wegwischen …). Dies alles muss unter häufigem schrillen Kindergeschrei gemeistert werden, dessen Lautstärke der einer F16 beim Katapultstart von einem Flugzeugträger nahe kommt.

Dementsprechend hat sich Annes Erscheinungsbild mit Augenringen bis zum Kinn, einem fahrigen Gesichtsausdruck und blassgrauer Gesichtsfarbe in den letzten Wochen nicht gerade zum Positiven entwickelt. Auch die in jüngster Zeit häufig auftretende Feststellung von Freunden und Bekannten „Du siehst aber fertig aus!“ trägt nicht gerade zur Besserung von Annes Zustand bei.

Dirk hat dies natürlich erkannt und möchte Abhilfe schaffen. Er hat sich daher ausgedacht, Anne in regelmäßigen Abständen zu einer Wellnesswoche im Desperate Mother’s Spa einzuladen. Fraglich ist nur, in welcher Frequenz die Wellness-Wochen eingerichtet werden sollen. Geschieht dies zu selten, könnte Anne eines Tages beim morgendlichen Betrachten des eigenen Spiegelbilds einen Schock bekommen. Doch zu häufige Wellnessauszeiten wären in Dirks Augen Ressourcenverschwendung und ein Ausdruck von spätrömischer Dekadenz, der seinen sonstigen Optimierungsbemühungen zuwider laufen würde. Abgesehen davon, muss Dirk während Annes Wellnesswochen den Babydienst übernehmen, was ihn, wenn zu häufig, selbst zu einem Mitglied der Zielgruppe des Desperate Father’s Spa machen würde. In diesem Szenario hätte Dirk die abgestimmte Planung von zwei wechselseitig abhängigen Taktungen zu leisten, was methodisch über das Anspruchsniveau dieser Publikation hinausgeht und darum hier auch nicht weiter verfolgt wird.

(© Springer Fachmedien Wiesbaden 2015)

Wellness Emil - Leseprobe